Friedrich Wilhelm Niedhardt

Ein Nachfahre "Grünewalds" ?

Die Überlieferungen der Familie Niedhardt

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Nithardum Cronica

Stammt die Hallersche Familie Niedhardt vom bekannten deutschen Maler Mathis Gothart Nithart, genannt „Grünewald“ ab, wie dies in deren Familienchronik behauptet wird?

Die Ur-Fassung der Nithardum Cronica soll auf das Jahr 1621 zurück gehen. Damals wurden Überlieferungen aus dem 16. Jahrhundert und früher schriftlich festgehalten. Die Familienchronik wurde 10 Jahre später nochmals abgeschrieben und fortan von Generation zu Generation in der Familie Nithart/Niedhardt weiter gegeben und gehütet.

Die Familien-Überlieferungen besagen, dass Nithart (ein Enkel Karls des Grossen) sowie Neidhart von Reuenthal zu den Ahnen von Mathis Gothart Nithart gehören und dessen Nachkommen sich im 17. Jahrhundert in der Gegend von Halle und Magdeburg niederliessen. Zurück verfolgen und belegen lässt sich der Stammbaum der Familie Niedhardt aus Halle bis zu einem Johannes Christoph Niedhardt, welcher 1777 in Gross-Oschersleben geboren wurde.  

Friedrich Wilhelm Niedhardt

Ein Ur-Ur-Enkel jenes Johannes Christoph Niedhardt ist der am 11.3.1907 in Lennep geborene Friedrich Wilhelm Niedhardt. Bereits als 13-jähriger hat er eine Abschrift der Familienchronik sowie weitere Überlieferungen, verpackt in zwei Koffern, zu Gesicht bekommen. 1923 schrieb er eine Zusammenstellung der Überlieferungen in Buchform und liess diese polizeilich beglaubigen. Während des 2. Weltkrieges verbrannte ein Teil der Unterlagen. Friedrich Wilhelms Cousine forderte ihn 1965 auf, eine erneute Niederschrift anzulegen. Dies war der Wiederbeginn einer unermüdlichen Nachforschung, welche ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigte und zu seinem Lebensinhalt wurde.  

Mathis Gothart Nithart

Zentraler Punkt seiner Forschungstätigkeit war der Versuch zu beweisen, dass die in der Nithardum Cronica gemachten ausführlichen Angaben zur Person des Malers Mathis Gothart Nithart (genannt „Grünewald“) richtig seien.

Auf Grund eines Artikels von Dr. Herbert Vossberg im Fachblatt „Archiv für Sippenforschung“ kam Friedrich Wilhelm 1971 in Kontakt mit dem Verfasser. Vossberg welcher sich ebenfalls seit Jahren mit „Grünewald“ beschäftigte, sah in der Familienchronik einige seiner eigenen Thesen bestätigt. Es begann eine intensive, gemeinsame und fruchtbare Forschungstätigkeit. Vossberg verhalf mit unzähligen Artikeln und seinen Beziehungen der Nithardum Cronica zu Aufmerksamkeit. Da zur Person „Grünewalds“ nur spärliche Dokumente vorhanden sind, stiessen diese neuen Angaben auf grosses Interesse. Zugleich formierte sich aber auch eine Gegnerschaft. Allen voran Dr. Rieckenberg, welcher bei jeder Gelegenheit die von Vossberg und Niedhardt aufgestellten Angaben als unmöglich darstellte. Dies veranlasste Dr. Vossberg in einem Schreiben zur Aussage: „Um den endgültigen Beweis der Niedhardtschen Familientradition wird freilich noch zu ringen sein“ und 1975 schrieb F. W. Niedhardt in Anspielung auf die Ablehnung von Rieckenberg und Prof. Stenger: „In der Hölle müssen wir es jetzt hell erleuchten“.  

Kampf und Glaube

Friedrich Wilhelm Niedhardt war felsenfest von der Richtigkeit des Inhaltes der Nithardum Cronica überzeugt. Nur so lässt sich sein unentwegter Einsatz während über 70 Jahren erklären. Er war ein gläubiger, gütiger und aufrichtiger Mensch und es kränkte ihn, wenn man seinen Ausführungen keinen Glauben schenkte. Demgegenüber freute es ihn, wenn durch eine Expertise oder eine Aussage einer Fachperson eine Behauptung der Familienchronik bestätigt werden konnte. So zum Beispiel 1975, als Dr. Specker vom Stadtarchiv Ulm aussagte, dass bei der erneuten Abschrift der Chronik 1894 und 1906 Grundlagen aus dem 16. Jahrhundert vorgelegen haben müssen, die erst wesentlich später der Wissenschaft bekannt geworden sind! 1972 schrieb Herbert Vossberg in einem Artikel: „Mögen auch Einzelheiten der Nithardum Cronica kritischer Prüfung bedürfen, so steht doch die Glaubwürdigkeit ihres Kerns ausser Frage.“ Dies würde unter anderem bedeuten, dass der Maler M. G. Nithart bereits 1455 und nicht wie bisher angenommen 1475/1480 geboren wurde. Weiter würde es bedeuten, dass Nachkommen des Malers noch heute leben würden, nämlich die Nachfahren des Johann Christoph Niedhardt welche sich später in Magdeburg, Ovelgünne, Prettin, Thorgau, Wuppertal und Brasilien nieder liessen.  

Dr. Herbert Vossberg starb 1983. Friedrich Wilhelm Niedhardt folgte ihm am 11.12.1995. Es ist zu hoffen, dass ihre Ausführungen und die Aussagen der Nithardum Cronica sich irgendwann einmal beweisen lassen.  

PS. Zurzeit werden die übrig gebliebenen Unterlagen der Familienchronik bei Friedrich Wilhelms Tochter aufbewahrt. Gelegentlich sollen sie dem „Herold“ in Berlin übergeben werden.  

"Dieser Artikel wurde mit Zustimmung der Angehörigen von Dr. H. Vossberg und F.W. Niedhardt verfasst. Eine Weiterverwendung des Textes sowie der Fotos ist nicht erlaubt."
 

Januar 2004, Roger Neidhart, CH-8335 Hittnau

           

Von links nach rechts:: Friedrich Wilhelm Niedhardt ("senior") - Friedrich Wilhelm Niedhardt ("junior") -  Dr Herbert Vossberg. 

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