ANDERE   NITHART PERSÖLICHKEITEN

Mathis NITHART FROM ESCHENTZWILLER

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 Nach den Grausamkeiten im Krieg gegen die Armagnaken, entwickelte sich in der bäuerlichen Landbevölkerung ein Widerstand gegen die herrschende Klasse und die katholische Kirche, welche immer mehr Steuern einforderten. Es wurde mehr soziale Gerechtigkeit und Freiheit gefordert. Es bildeten sich links und rechts des Rheins kleinere Gruppen welche zu Reformen aufriefen. Es wurden mehr Freiheiten, gleiche Rechte für die Landbevölkerung, religiöse Veränderungen und ein Leben nach den Vorgaben des Evangeliums gefordert. Die Thesen Luthers, welche die Hierarchie Roms in Frage stellte, die Preisschwankungen für Getreide und Wein sowie die immer höheren Abgaben an die Obrigkeit führten schlussendlich zu Aufständen.  

Am 17. April 1525 wählten 40'000 Aufständische, verteilt auf sieben Gruppen, Erasme Gerber als ihren Führer. Zugleich wurde ein Forderungsschreiben mit zwölf Artikeln erstellt. 

Am Tage vor dieser Protestversammlung beschloss eine Gruppe Bauern von Eschentzwiller, angeführt vom 70 jährigen Schultheissen Mathis Nithart, sich dem Protest anzuschliessen. Da sie jedoch gegen die örtliche Geistlichkeit nicht feindlich eingestellt waren, begaben sie sich nach dem nahe gelegenen Helfrankirch um sich mit dem dortigen Pfarrer, welcher ein Befürworter von Reformen war, zu besprechen. Pfarrer Berner soll ein Nachtessen spendiert, sowie die Vorbereitungen für einen Aufstand unterstützt haben. Darauf hin bildeten sich aufständische Gruppen aus dem ganzen Sundgau.

 Die aufständischen Bauern rekrutierten am 23. April 1525 in Bartenheim 3000 Schweizer Söldner mit ihren Führern. Der ausgehandelte monatliche Sold betrug 4 Florins pro Mann, was einer monatlichen Summe von 12'000 Florins entsprach - sehr viel Geld für damalige Verhältnisse. Vermutlich hat Mathis Nithart diese Aktion von Eschentzwiller aus koordiniert. 

Am 28. Mai machte sich ein Teil der Aufständischen auf den Weg um Klöster zu plündern und zogen gegen Ensisheim, dem Verwaltungsort der Habsburger im Elsass.

 Die Aufständischen wurden jedoch in Kämpfen bei Saverne und Scherwiller geschlagen. Der Herzog von Lothringen verfügte einen Waffenstillstand welcher im Juni 1525 in Basel unterzeichnet wurde. Dies nutzte Erzherzog Ferdinand um eine schlagkräftige Armee zu mobilisieren. Ende August wurden auf Befehl Habsburgs viele reformfreudige Geistliche erhängt oder inhaftiert. Mathis Nithart und einige andere Führer des Aufstandes flüchteten nach Basel um sich einer Verhaftung zu entziehen. Dort wurden sie jedoch ins Gefängnis gesteckt und nur unter dem Eingeständnis frei gelassen, Basel zu verlassen und nicht zurück zu kehren. Am 5. April 1526 mussten sie ein diesbezügliches Dokument unterschreiben. Es scheint dass Mathis Nithart unbesehen nach Eschentzwiller zurückgekehrt ist. Er soll nach dem Bezahlen einer hohen Busse sein Amt als Schultheiss, nicht zuletzt wegen seinen Beziehungen zur einflussreichen Familie "von Andlau", weiterhin bis zu seinem Tod im Jahre 1528 ausgeführt haben.

 Die ergiebigste Quelle an Informationen bietet die Guebwiller Chronik des Jahres 1525. Weitere Quellen waren die "Société d'histoire du Sundgau" und verschiedene Schriften über den Bauernaufstand.

 Es ist verständlich, dass es zu Verwechslungen zwischen dem Maler Mathis Nithart (genannt Grünewald), welcher zu jener Zeit in Colmar tätig war und dem Schultheissen Mathis Nithart gekommen ist. Der Name von Letzterem wird in der Guebwiller Chronik mit Nidhardt geschrieben. In der Basler Urkunde vom 5. April (dem einzigen Dokument aus jener Zeit) wird er Nithart genannt und auf einem Strassenschild in Eschentzwiller steht Matthias Nithard. Dies zeigt deutlich wie unterschiedlich die Namen geschrieben wurden.

Basler Dokument vom 5. April 1526 - Zum Vergrössern darauf klicken.

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Die Matthias Nithard Strasse in Eschentzwiller.

       

Rixheim: Wandgemälde mit Darstellung der Bauernaufstände von 1525

     

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